Nähen aus Stoffresten – wie du Stoffresten neues Leben einhauchst

Jeder, der schon mal für ein Nähprojekt eingekauft hat, weiß, dass von den schönen Stoffen immer etwas übrigbleibt. Unabhängig davon, ob du Hobby- oder professionelle*r Näher*in bist, kannst du sicherlich auch von dir behaupten: „Ich besitze einen wachsenden Haufen von Stoffresten.“ Von dem Vorhang, den du vor einem Jahrzehnt gemacht hast, oder dem Kissen, das du erst letzte Woche fertiggestellt hast – der Vorrat an Überresten aus vergangenen Projekten ist schwer wegzuwerfen. Ist das Nähprojekt vorbei, steht man also oft vor der Frage: „Was mache ich nur mit den restlichen Stoffen?“ . In diesem Artikel wollen wir euch einige DIYs vorstellen, mit denen ihr aus euren Stoffresten noch etwas Brauchbares zaubern könnt.

Nähideen für deine Stoffreste

Damit auch der schönste Stoff in deiner Sammlung gut verwertet wird, haben wir dir hier einige Kreativanstöße zusammengefasst. Jedoch sind deiner Kreativität keine Grenzen gesetzt. Vielleicht hast du ja noch ein anderes Nähprojekt in petto, was du mit den Traumbeere Lesern teilen möchtest. Lass es uns wissen und kommentiere sie unter dem Artikel.

Tina von smilla-berlin.de stellt uns zwei nachhaltige Nähideen mit Stoffresten vor:

Tina Seel"Nicht Nachhaltig nähen? Upcycling? Das heißt bei smilla Berlin aus jedem noch so kleinen Stoffrest etwas Schönes zaubern! Werft mal einen Blick auf die Stoffkanten von Baumwoll-Webware. Die werden oftmals gar nicht beachtet, dabei sind sie wunderschön. Kleine Kunstwerke, die man effektvoll einsetzen kann. Wie in diesem Kosmetiktäschchen zum Beispiel. Außerdem: Freihand-Nähen mit der Nähmaschine. Stoff in Rahmen spannen, Transporteur versenken und mit der Nähmaschine „malen“. So werden aus Stoffabfällen einzigartige Kreationen. Nachhaltiger geht’s nicht.“ etc."

 

Über Tina Seel:  Ich bin Tina, Inhaberin von smilla in Berlin. Nähen war immer mein Thema, und das, obwohl ich es selbst gar nicht kann. Ich komme aus dem Marketing. Über zwei Jahrzehnte habe ich internationale Werbekampagnen für PFAFF Nähmaschinen gemacht, deshalb kenne ich den Markt und alles, was damit zu tun hat. 2011 habe ich mit meinem Team einen eigenen Laden in Berlin realisiert: smilla – ein kreatives Universum. Stoffe, Kurse, Kurzwaren, Nähmaschinen u.v.m. Ein Ort, wo Menschen nähen lernen und Nähen leben können. Die beste Idee meines Lebens.

 Tina stellt euch 3 DIYs mit Stoffresten vor:

Tina Seel Tutorial                

Haar-Accessoires

Du hast eine langweilige Spangensammlung oder dein Kind verliert laufend seine Haargummis? Mit Stoffresten kannst du Spangen ein neues Leben einhauchen und auch mit ein wenig Stoffüberzug lassen sich verlegte Haargummis leicht wiederfinden.

Die sogenannten Scrunchies können mit fast jedem Stoff hergestellt werden, von Seide bis Samt. Wenn du ein Anfänger bist, empfehlen wir dir, mit Baumwolle zu beginnen, da das Material einfacher zum Nähen ist. Ein weiterer Tipp: Nähmaschinen beschleunigen den Prozess und verleihen ein raffinierteres Aussehen.

Schneide deinen Stoff in fünf 4x40 cm lange Streifen. Falte den Stoff der Länge nach, sodass er vonrechts auf rechts liegt, und stecke ihn in der Mitte fest. Nähe den Streifen der Länge nach mit einem geraden Stich zu. Das Band auf rechts drehen. Nun ein elastisches Band auf 20 cm zuschneiden und durch die Mitte des Stoffes fädeln. Hier hilft der Fädeltrick mit der Sicherheitsnadel. Einfach am anderen Ende des Gummis eine Sicherheitsnadel befestigen und schon ist das Fädeln ein Kinderspiel. Ist das Gummi durch, einmal am Ende verknoten und die beiden Stoffenden miteinander verbinden.

Schlafmaske 

Ob als Geschenk oder für sich selbst, eine Schlafmaske ist der perfekte Begleiter in unruhigen Nächten. Insbesondere weiche Stoffe finden hier die ideale Verwertung. Für die Schlafmaske kannst du dir eine beliebige Schablone aus dem Internet herunterladen. Wir empfehlen dir zwei Stoffteile zu nehmen und diese der Form zuzuschneiden. Die Maske sollte eine längliche ovale Form und an den schmalen Seiten eine Markierung für das Gummiband haben.

  1. Lege die Stoffe aufeinander, sodass die rechten Seiten nach außen zeigen.
  2. Befestige nun dein Gummiband, welches du vorher für deinen Kopf passend abgemessen hast, an den beiden schmalen Enden mit Stecknadeln.
  3. Damit die Enden der Schlafmaske einen schönen Abschluss haben, kannst du in diesem Fall ein Schrägband benutzen. Lege das Schrägband an und nähe deine Stoffteile zusammen.

Die Klassiker: Kissen und Tücher

Ob als Deko-Element auf dem Sofa, als Geschenk für Neugeborene oder zum Kuscheln auf dem Bett. Ein Kissen lässt sich immer aus Stoffresten zaubern. Sei auch hier kreativ. Nimm dir ein paar kleinere Stoffreste und mach deine eigenen Aufnäher. Hast du nicht genug Stoff für das Kissen, kannst du aus mehreren kleinen Stoffresten ein Patchworkkissen nähen.

Ein Klassiker, aber trotzdem der perfekte Hingucker für ein Outfit: das Tuch. Auch als Accessoire an der Tasche oder als Erkennungszeichen am Koffer einsetzbar – ein schönes Tuch ist nie verkehrt. Hier kannst du die Stoffreste einfach oder doppelt nehmen und an den Rändern umnähen. Lasse deiner Kreativität einfach freien Lauf.

Hundespielzeug

Auch der beste Freund des Menschen kann mit den Stoffresten viel Freude haben. Ein geflochtener Hundeknochen ist die ideale Verwertung von kleineren länglichen Stoffresten. 

Das brauchst du dafür:

Drei verschiedenfarbige Stoffe zu etwa 20 cm langen und 1 bis 1,5 cm breiten Streifen zuschneiden. Die Anzahl der Streifen ist abhängig von der Größe der Stoffreste – idealerweise kannst du aus jeder Farbe noch acht Streifen zuschneiden. An einem Ende einen festen Knoten aus allen Streifen knüpfen und dann die drei Farben zu einem großen Zopf zusammenflechten. Am anderen Ende einen sehr engen Knoten knüpfen und den Überschuss mit einer Schere abschneiden.

Colour Blocking und aufgesetzte Taschen an Kleidungsstücken:

Aus Stoffteilen, die nicht groß genug sind, um ganze Kleidungsstücke herzustellen, kannst du ganz einfach kleine Akzente und Hingucker nähen. So bilden z. B. Manschetten, Kragen, Ärmel- und Saumbündchen einen perfekten Kontrast zum restlichen Outfit. Auch kleine Taschen aus andersfarbigem Stoff auf Schürzen, Hosen oder Röcken können der Kleidung noch das gewisse Extra verleihen. Schau also vor deinem nächsten Nähprojekt einmal in deine Stoffrestesammlung und suche die Teile heraus, die für solche Akzente wie geschaffen sein könnten.

Nastja von diyeule.de verrät euch spannende Ideen, wie ihr Stoffreste verwerten könnt

Nastja von diyeule.de

"Ab wann ist ein Stoffrest wirklich ein Rest und wie klein ist wirklich noch brauchbar? Das fragt sich sicher jede von uns. Ich nutze meine Webwarenreste sehr gern für kleine Kosmetiktäschchen, Crunchies oder auch Schlüsselanhänger – die perfekten Last-Minute-Geschenke. Auch aus Leder, Kunstleder, Kork und Co. lassen sich so schnell individuelle Geschenke zaubern. Bei Jersey ist das vermeintlich schwieriger. Größere Reste sind perfekt für Socken oder Schlüpfer. Baby-Lätzchen, Baby-Fäustlinge oder Baby-Mützen sind auch super Projekte. Ich liebe es, Bummies aus Stoffresten zu nähen – dabei bietet sich auch eine Kombination mit einem Unistoff an: Hier sind z. B. nur Rückseite und Bündchen aus einem Rest gemustertem Stoff. Für die wirklich kleinen Reste bieten sich Applikationen von kleinen Musterelementen hervorragend an. Ich sammle meine Stoffreste in einem dekorativen Seegraskorb. Ist der voll, sortiere ich durch. Stoffreste ab 15 cm x 15 cm kann man wunderbar spenden – es gibt viele Vereine, die für Frühchen oder Sternenkinder nähen. Und die ganz kleinen Reste? Die kann man noch kleiner schneiden und dann als Füllung für Kissen oder Plüschtiere verwenden.“

Über Nastja: Ich bin Nastja, junger Blondschopf aus Berlin mit dem Kopf voller Ideen. Ich liebe jede Art von DIY Projekten – mein Herz schlägt aber vor allem fürs Nähen. Ich habe 3 Jahre bei DaWanda als Content Creation Manager und anschließend kurze Zeit als Konzepterin bei der Digitalagentur TLGG gearbeitet. Jetzt fokussiere ich mich als Selbstständige komplett auf DIY Eule und externe Content Produktion. Auf meinem YouTube Kanal stemme ich alles selbst. Von der Idee, Umsetzung, Kamera, Schnitt, bis zur Community Betreuung. Mit ganz viel Herz.

Worauf musst du achten, wenn du Stoffreste verarbeiten möchtest?

Das Nähen mit Stoffresten stellt sich manchmal schwieriger heraus, als man zunächst denkt. Stehst du vor den kleinen Stücken an Stoff, musst du manchmal präziser arbeiten als bei dem ursprünglichen Nähprojekt. Doch Übung macht den Meister – das Gute an Stoffresten ist, hier kann auch mal was schieflaufen. Probiere dich aus, mach Fehler und lerne daraus. Denn die Stoffreste zu benutzen, ist schon der erste Schritt.

Julia Jung von juliajung.de über „Der richtige Fadenlauf bei der Stoffresteverwertung“:

Julia Jung

Das Nähen mit Stoffresten ist sehr inspirierend. Man kann neue Stoffkombinationen entdecken, Stoffreste oder alte Kleidung upcyclen oder reparieren. Auch neue Einsatzgebiete von Stoffen ergeben sich, so kann man zum Beispiel einen schmalen Streifen Jersey gut als Kordel verwenden. Bei der Verarbeitung der Stoffe ist es wichtig, auf die Richtung des Fadenlaufs zu achten – das ist die Richtung des Kettfadens und meist die festere Stoffrichtung. Dieser sollte bei den kombinierten Stoffen in die gleiche Richtung zeigen. Die Dehnbarkeit und die Warenseiten des Stoffes zu kennen, erleichtert das Arbeiten. Kombiniert man verschiedene Stoffe, sollten sie ihre Eigenschaften behalten. Ein weiterer Tipp ist, die Stoffe vor der Verarbeitung zu waschen, da sie dann nicht mehr so sehr einlaufen.“

Über Julia Jung:  Ich heiße Julia Jung und bin Schneiderin und Modedesignerin. Für meine Labels „Julia Jung Modedesign“ und „Jungspund Kindermode“ entwerfe und nähe ich alles selbst. In meine Kinderkollektionen fließen auch Upcycling-Elemente ein. Hier verarbeite ich außerdem Stoffreste der Damenkollektionen. Auch Auftragsarbeiten für individuelle Kleidungsstücke oder Reparaturen können bei mir eingereicht werden werden. Ich liebe es außerdem, Kurse zu geben, und leite so zum Beispiel Nähanfänger*innen in einem Upcycling-Nähkurs an, aus Stoffresten und abgelegter Kleidung neue Lieblingsteile zu machen.

Nachhaltigkeit – warum Stoffreste benutzen auch gut für die Umwelt ist

Stoffresteverwertung bleibt aber vor allem eins: nachhaltig. Planst du ein neues Nähprojekt, frag dich vorher, ob du nicht vielleicht noch Stoffreste von anderen Nähprojekten hast, die sich in das neue Projekt integrieren lassen. Ein positiver Aspekt von Stoffresten ist, dass du den Textilien so neues Leben einhauchst, anstatt sie auf der Deponie zu entsorgen. Dadurch trägst du gleichzeitig aktiv zum Umweltschutz bei, denn du vermeidest unnötige Abfälle. Der Weg in den Mülleimer sollte wirklich der letzte sein, den dein Stück Stoff erfährt.

Die Verwendung von Stoffresten reduziert nicht nur den Textilabfall, sondern spart auch Energie. Denn für die Herstellung von Stoffen werden viele Ressourcen verbraucht. Hilf mit, den CO2-Fußabdruck, der bei der Produktion neuer Materialien aufgewendet wird, zu verringern.

 

Tags: Traumbeere
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