Teuer ist nicht gleich besser – die Psychologie des Schenkens

Wissenschaftler sind sich einig: Beschenkt haben die Menschen sich schon immer. Selbst die primitiven Höhlenmenschen haben Geschenke gemacht, als Wertschätzung etwa für eine wichtige Errungenschaft, aber auch einfach, um Liebe und Zuneigung auszudrücken. In jeder Kultur sind Geschenke ein festes Ritual. Schenken baut Beziehungen auf, schüttet Endorphine aus und macht beide Parteien glücklich – wenn alles gut läuft!

Warum Schenken glücklich macht

Vorab sei gesagt – nicht immer macht Schenken glücklich. Schenken wir mit dem Hintergedanken, etwas dafür zu bekommen, macht das beide Seiten nicht glücklicher. Denn auch die Gegenseite durchschaut das meist. Ein gutes Beispiel dafür sind Werbegeschenke. Nehmen wir ein Geschenk wie ein kostenfreies Produkt einer Firma an, haben wir nicht das Gefühl, als würde uns jemand etwas Gutes damit tun wollen. Eher im Gegenteil: Wir ahnen die dahinterliegende Hoffnung, dass wir in Zukunft mehr Geld für sie dalassen. Auch das Unternehmen wird dadurch nicht glücklicher.

Schenken wir allerdings mit dem Wunsch, jemandem gute Gefühle zu bereiten und ihn damit glücklich zu machen, stimmt das auch uns froh – obwohl es uns wirtschaftlich eher schadet. Doch warum ist das so?

Psychologin und Autorin Dr. Judith Braun von psychophilie.com klärt auf, warum Schenken uns glücklich macht:

Judith Braun Traumbeere Geschenke selber nähen"Ganz rational betrachtet, klingt Schenken nach einer schlechten Investition: Wir opfern Zeit, Geld und Kreativität und wissen nicht, was wir dafür zurückbekommen. Glücklicherweise denken wir aber nicht immer in solchen rationalen Kategorien, sondern lassen uns auch von unseren Gefühlen leiten. Kennst Du etwa das schöne Gefühl und die Vorfreude, wenn Du ein richtig tolles Geschenk für jemanden hast? Oder das warme Gefühl, das dich durchströmt, wenn du anderen eine Freude bereiten konntest? Diese Glücksgefühle beim Schenken sind tief in uns verwurzelt: Neurowissenschaftler konnten mit bildgebenden Verfahren zeigen, dass Belohnungszentren im Gehirn aktiviert werden, wenn wir anderen etwas geben.¹ Außerdem werden Endorphine und Dopamin ausgeschüttet, die wegen ihrer positiven Auswirkungen auf unsere Laune gerne als Glückshormone bezeichnet werden. Es kommt sogar noch besser: Die Psychologin Elizabeth Dunn und ihre Kolleg:innen haben in einer Studienreihe die Reaktionen beim Schenken und Beschenktwerden verglichen und herausgefunden, dass Geben noch glücklicher macht, als selbst etwas zu bekommen.² Wenn uns Schenken so viel Glück bringt, kann es also gar keine schlechte Investition sein!"

Über Judith Braun: Ich bin promovierte Psychologin und Autorin. Auf meinem Blog psychophilie.com beschäftige ich mich mit den größeren und kleineren Fragen unserer Zeit und schaue, welche Lösungen die psychologische Forschung für sie parat hat. 

Was gute Geschenke ausmachen  

Damit sich der Beschenkte (und der Schenkende) auch wirklich freut, ist es wichtig, sich für das passende Geschenk zu entscheiden. Dabei spielt Geld eher eine untergeordnete Rolle. Wichtiger ist, ob das Präsent mit Herz und Verstand ausgewählt wurde. Passt es zum Geschmack des Beschenkten? Wurde auf seine oder ihre persönlichen Wünsche eingegangen? Ein gutes Geschenk zeichnet sich dadurch aus, dass es möglichst individuell auf den Empfänger abgestimmt ist. Ist zu erkennen, dass sich der Schenkende wirklich Gedanken gemacht hat, fühlt sich der Beschenkte ihm näher, wovon die Beziehung profitiert. Deswegen ist Schenken in Liebesbeziehungen ein besonders wichtiges Thema.

Schenken ist besonders in Partnerschaften wichtig – und kann positive wie negative Effekte haben 

Geschenke signalisieren Liebe und Verbundenheit zueinander. Leider kann hier einiges schiefgehen und durchaus zu Konflikten führen. Denn ein unpassendes Geschenk löst mitunter den Gedanken aus, dass sich die Partner unähnlich sind, was zu einem Gefühl der Trennung und Distanz führen kann. Das fanden Forscher der kanadischen University of British Columbia heraus. Vor allem bei Männern zeigte sich dieser Effekt stark. In Beziehungen ist Schenken also durchaus ein heikles Thema!

Die Paartherapeuten und Coaches Ina und Florian von lebensidealisten.de über die Bedeutung von Geschenken in Partnerschaften:

Ina und Florian Lebensidealisten Traumbeere Geschenke selber nähen

"Geschenke in der Partnerschaft können ein warmes, stimmiges Gefühl machen. Warum ist das so? Schenken ist eine besondere Form von Anerkennung und Wertschätzung. Wir beschäftigen uns mit unserer Partnerin oder unserem Partner und den Interessen dieser Person und das verursacht bei dem Beschenkten ein Gefühl von tiefer Verbundenheit und Liebe. Dabei ist es nicht wichtig, wie hoch der materielle Wert des Geschenkes ist. Es geht darum, Liebe zu verschenken. Liebe in Form von ‚Ich denke an dich und ich liebe dich‘."

Über Ina & Florian: Wir sind die Lebensidealisten – Ina und Florian – und arbeiten als Paartherapeuten und Coaches. Unsere Vision ist eine Welt mit glücklichen und harmonischen Beziehungen. Durch unsere Social-Media-Impulse, unseren Podcast, den YouTube-Kanal und natürlich unsere Coachings möchten wir einen Teil dazu beitragen

Warum selbst gemachte Geschenke eine so schöne Idee sind

Selbst gemachte Geschenke zeugen von Herzblut, Mühe und lassen sich besonders individuell gestalten. Geschenke selber zu nähen, ist daher eine wunderbare Geschenkidee für jeden Anlass. Doch auch wenn du selber nicht nähen willst, gibt es zahlreiche Shops, die liebevoll gestaltete Produkte anbieten. Diese Geschenke sind außerdem besonders nachhaltig – du schenkst daher mit reinem Gewissen.

Schneiderin Miriam Gärtner von strubbe-schneiderei.de über die Nachhaltigkeit selbst gemachter Geschenke:

Miriam Strubbe Traumbeere geschenke selber nähenAuf der Suche nach Deinem nachhaltigen Geschenk können Dir zwei Fragen weiterhelfen:

1) Was ist passiert, bevor mein Geschenk in den vorbestimmten Händen landet?
2) Was wird passieren wegen des Geschenkes?

Das Schöne an selbst gemachten Präsenten ist, dass es schon allein DESWEGEN nachhaltig ist. Die darin enthaltene Mühe und das Herz stoßen sicherlich auf eine höhere Wertschätzung. Das Geschenk wird somit pfleglicher behandelt und genießt hoffentlich auch eine längere Nutzung. Und was noch besser ist: Du hast einen Einfluss darauf, was drinsteckt! Nimmst Du also Stoffe, die sowieso schon im Nähschränkchen auf eine Verwandlung warten, oder verwendest sogar das Material eines ausgedienten Teils weiter, sparst Du Geld und vor allem Ressourcen. Ist das nicht möglich, liegt es bei Dir, wo und welches Material Du dafür kaufst.

Doch muss es unbedingt ein weiterer Gegenstand sein? Es ist doch toll, wenn Du handwerklich etwas auf dem Kasten hast: Verschenke Dein Können und biete eine Reparatur oder ein Nähprojekt an! Damit es greifbarer ist und nicht schon wieder in einem Gutschein endet, der dann vielleicht nie eingelöst wird, wäre eine zeitweilige Entführung in die Wichtelwerkstatt eine Möglichkeit. Dann liegt das aufgewertete Teil wieder in seiner vollen Pracht unterm Weihnachtsbaum.“

Über Miriam:  Ich heiße Miriam Gärtner und als Schneiderin meines Labels STRUBBE bin ich täglich mit den Themen der Wertschöpfung und -erhaltung konfrontiert. Obendrein möchte ich allen Menschen, die ich mit meiner Arbeit erreichen kann, das Bewusstsein zurückgeben, dass sie keine Konsument*innen, sondern mündige Bürger*innen sind.

Ideen für Geschenke zum selber Nähen

Wie wäre es mit einem selbst genähten Geschenk für deine Liebsten? Wenn du noch keine Idee hast, was dem Beschenkten gefällt, schenke doch einfach einen Gutschein. Dann könnt ihr Material, Form und Farbe gemeinsam aussuchen.

In unserem Magazin findest du außerdem viele kleine Nähideen, die du wunderbar verschenken kannst, wie ein DIY-Scrunchie aus dem Artikel Nähen mit Stoffresten oder süße Accessoires wie Mütze, Handschuhe und Co. in unserem Artikel „DIY-Winter-Accessoires“.

Geschenkverpackungen aus Stoff

Um das Geschenk abzurunden und zu etwas ganz Besonderem zu machen, kannst du es anstatt mit Papier mit Stoff verpacken. Geschenkverpackungen aus Stoff werden in Japan Furoshiki genannt und haben dort eine lange Tradition. Wir finden, von diesem Trend können wir uns eine Scheibe abschneiden, denn er ist nachhaltig und wertet jedes Geschenk auf! Für Nähfreunde ist sie sogar wie ein zweites Geschenk, da die Stoffverpackung für Nähprojekte genutzt werden kann.

Zusätzlich kannst du kleine Accessoires wie geflochtene Bänder nähen und damit dem Geschenk mehr Individualität verleihen. Auch Geschenkbänder aus Stoff geben dem Präsent eine besondere Note und sind zudem nachhaltig und umweltfreundlich. Probiere es doch direkt mal aus!

Wir hoffen, wir konnten dich mit diesem Artikel inspirieren, und wünschen dir und deinen Liebsten viel Freude beim Schenken und Beschenktwerden!

 

Quellen:

¹ Moll, J., Krueger, F., Zahn, R., Pardini, M., de Oliveira-Souza, R., & Grafman, J. (2006). Human fronto-mesolimbic networks guide decisions about charitable donation. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 103(42), 15623–15628. https://doi.org/10.1073/pnas.0604475103.

² Dunn, E. W., Aknin, L. B., & Norton, M. I. (2008). Spending money on others promotes happiness. Science (New York, N.Y.), 319(5870), 1687–1688. https://doi.org/10.1126/science.1150952.

Tags: Traumbeere
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